1961: Erstmals "Eviva Mindelonia"

Die Geburt eines Schlachtrufes

von Willi Schielle

Die ersten Faschingsprinzen nach dem Krieg wurden vorwiegend aus den Reihen des TSV Mindelheim rekrutiert: Alfred Lew, Franz Hildisch, Walter Färber, Dr. Carl Gregor, Hans Peter, Wilhelm Ketterl. All diese Prinzen mussten sich einen besonderen Schlachtruf für ihren Fasching einfallen lassen. Das bedeutete in jedem Jahr einen neuen Schlachtruf, nicht zuletzt auch für das Närrische Volk!

Im Oktober 1960 konnte mich Karl Spies vom Frundsberg-Stadtverband beziehungsweise als Mindelonia-Präsident davon überzeugen, dass ich den Faschingsprinzen für die Saison 1961 machen sollte. Ein Jahr zuvor hatte ich im Elferrat mitgewirkt und beim Skifasching des Alpenvereins verdiente ich mir auch schon einige Sporen in Sachen Fasching. Durch meine frühzeitige Zusage war es sodann erstmals in Mindelheim möglich, einen Faschingsprinzen am 11.11.1960 zu proklamieren. Das war in der Weinstube "Bürger u. Hafner, Inhaber Erwin Dietz".

Nach diesem Ereignis suchte ich zunächst meine Aufgabe darin, einen schlagkräftigen Hofstaat zu bilden. In diesem Zusammenhang entstand, wahrscheinlich erstmals, ein Hofstaat-Management in größerem Umfang. Wir trafen uns fortan jeden Freitag in der "Katakombe" des ehemaligen Cafes Union um über den kommenden Fasching zu beraten. Mein Wunsch war es, endlich einen dauerhaften Schlachtruf der Mindelonia zu finden. Meine ausgesetzte Prämie war: 1 Flasche Sekt beim kommenden Krönungsball! Jeden Freitag rauchten die Köpfe der Hofstaatgesellschaft, bis endlich ein Vorschlag von Elferrat Dieter Mierbach weitgehendste Akzeptanz fand: Eviva Mindelonia!!

Bereits am 7.1.1961 wurde der Krönungsball angesetzt. Erstmals öffentlich und zugleich erstmals im Großen Kolpingsaal. Nebenbei bemerkt: exakt nach 40 Jahren fand im Jahr 2001 der letzte Krönungsball im Kolpinghaus Mindelheim statt! Früher als sonst, wurden an den Türmen der Stadt die berühmten Turmfiguren aufgezogen. Das war die Gelegenheit für eine besondere Aktion! Aus heutiger Sicht war es eine Prämiere: der "Durahansel" wurde von seiner Tollität dem Prinzen Wilhelm III. von Wirrwarr und dessen Hofstaat in besonderer Weise begrüsst. Dieser Gag ist zwischenzeitlich selbstverständliches Zeremoniell unseres Faschings geworden. Ebenso die Trauerfeier am Faschingsdienstag als Einleitung zum jeweiligen Kehraus. Unser zusätzlicher Gag war damals die Verwendung des neuen, und immerwährenden Schlachtrufes "Eviva Mindelonia"! Die versprochene Prämie in Form einer Flasche Sekt und zusätzlichem Orden beim Krönungsball an den Elferrat Dieter Mierbach war fällig und sicherlich keine Fehlinvestition!

Noch eine kleine Anmerkung an meinen damaligen Krönungsball. Der Krönungsball war turbulent und machte durstig... ich trank allerdings weder Sekt noch Schnaps (obwohl der Schlager "Schnaps, das war sein letztes Wort..." unsere Einzugsmelodie war) sondern nur einige Gläser Bier mit der Gesamtzeche von DM 4,30 -in Worten: Viermarkdreissig! Das waren noch Zeiten!! Eviva Mindelonia.

 

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